Mehr Markt – mehr Verantwortung: Liberale Perspektiven auf die Wohnpolitik in Zürich
Përparim Avdili, 02/2025 Real Estate
Zürich wächst – und mit dem Wachstum verschärfen sich die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt. Hohe Nachfrage, steigende Mieten, Druck auf Quartiere und zunehmende politische Polarisierung prägen die Debatte. Für Immobilienentwickler bedeutet das nicht nur Marktchancen, sondern auch einen gesellschaftlichen Handlungsauftrag. Denn wer Wohnraum schafft, gestaltet Stadtentwicklung aktiv mit. Es ist Zeit, dass liberale Stimmen diese Debatte mit neuen Lösungsansätzen bereichern – jenseits von staatlicher Regulierungswut, aber mit einem klaren Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl.
Der Befund: Wachstum trifft Verknappung
Zürich zählt seit Jahren zu den dynamischsten Städten Europas. Die Bevölkerungszahl hat seit 2000 um rund 25 % zugenommen – bei gleichbleibend beschränkter Fläche und stagnierender Neubautätigkeit. Infolge städtischer begrenzter Fläche, langer Bewilligungsverfahren und eines wachsenden Widerstands gegen Verdichtung fehlen heute jährlich hunderte Wohnungen, um mit der Nachfrage Schritt zu halten. Der Wohnungsleerstand liegt mit unter 0.07 % auf einem historischen Tiefstand – ein klarer Indikator für strukturelle Knappheit.
Gleichzeitig steigen die Angebotsmieten – nicht nur im Premiumsegment, sondern auch im mittleren Bereich. Besonders betroffen sind Haushalte mit mittlerem Einkommen, die zunehmend aus zentralen Quartieren verdrängt werden. Die Reaktion darauf? Politische Initiativen, die Mietzinsdeckel fordern, Neubauten blockieren oder staatlichen Wohnbau erhöhen wollen. Der Markt gerät unter Druck – und mit ihm das Vertrauen in marktwirtschaftliche Lösungen.
30 Jahre rot-grüne Blockadepolitik
Die aktuelle Wohnungsnot ist nicht vom Himmel gefallen – sie ist Resultat einer verfehlten Politik. Seit über drei Jahrzehnten prägen rot-grüne Mehrheiten die Zürcher Stadtentwicklung. Doch statt mutig neuen Wohnraum zu schaffen, wurden Wachstum und Verdichtung oft politisch behindert. Bauvorschriften wurden verschärft, Innovationsprojekte zerredet, Rekurse begünstigt.
Statt gezielt neue Angebote zu schaffen, setzte die aktuelle Politik auf Umverteilung, Subventionen und Besitzstandswahrung. Damit wurden Symptome bekämpft, aber nicht die Ursachen adressiert. Der soziale Wohnbau wurde zwar ausgebaut, die Wohnunsorgen der Bevölkerung wurden aber nicht gemindert. Es fehlen echte Anreize für private Investitionen in erschwinglichen Wohnraum. Die Folge: fehlender Wohnraum, politische Polarisierung – und eine zunehmende Abhängigkeit vom Staat.
Liberale Haltung: Markt stärken, Verantwortung leben
Eine liberale Wohnpolitik anerkennt das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Effizienz und sozialer Durchmischung – und setzt auf marktorientierte, flexible Antworten. Dazu gehören:
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Erhöhung des Angebots durch Deregulierung: Flächen effizienter nutzen, Verfahren beschleunigen, Nutzungs-vorschriften flexibilisieren – so entstehen mehr Wohnungen, schneller und günstiger.
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Förderung von Nachverdichtung und Transformation: Der Bestand birgt enormes Potenzial – wenn Sanierungen nicht durch überregulierte Auflagen gebremst werden. Wer beispielsweise aufstocken will, sollte Anreize statt Hemmnisse antreffen.
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Private Lösungen für Durchmischung: Wer Wohnraum entwickelt, kann aktiv auf eine soziale Durchmischung achten – etwa durch Kooperation mit gemeinnützigen Trägerschaften oder altersdurchmischte Konzepte. Solche Modelle wirken präventiv gegen Verdrängung – ohne politische Intervention.
Wohlstand verändert Nachfrage
Unser Wohnproblem ist auch eine Folge unseres Wohlstands. Noch in den 1970er-Jahren lebten Familien auf 70 Quadratmetern – heute beanspruchen Einzelpersonen oft mehr als 40 m² für sich allein. Der demografische Wandel, gestiegene Ansprüche an Komfort und Homeoffice führen zu einer deutlich höheren Flächennachfrage.
Diese Entwicklung erfordert ein neues Nachdenken über urbane Dichte, Wohnformen und Flächeneffizienz. Wer nur mit „Bezahlbarkeit“ argumentiert, ignoriert die Realität steigender Lebensstandards. Was bezahlbar ist, hängt schliesslich von jedem einzelnen ab. Es braucht vor allem mehr Wohnungen.
Verantwortung der Entwickler: Zürich mitgestalten
Immobilienentwickler tragen nicht nur ökonomische Verantwortung, sondern gestalten Lebensräume – mit Konsequenzen für ganze Quartiere. Wer Mietpreise stabil hält, gezielt durchmischte Wohnkonzepte umsetzt oder gemeinwohlorientierte Partnerschaften eingeht, stärkt nicht nur die Akzeptanz für neue Projekte – sondern investiert in langfristige Planungssicherheit.
Die Zukunft des Zürcher Wohnraums liegt im Zusammenspiel von unternehmerischer Initiative und gesellschaftlichem Anspruch. Immobilienentwickler sind dabei nicht Gegner, sondern Mitgestalter urbaner Lebensqualität. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben: Know-how, Kapital, Innovationskraft. Was es braucht, ist die Bereitschaft, mit Weitblick zu handeln – über das Minimum regulatorischer Anforderungen hinaus.


